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2005: Das Homosexuellen-Milieu lebt!

Nach dem tragischen Mord an Rudolf Moshammer war es plötzlich wieder da: Das längst vergessen geglaubte Homosexuellen-Milieu. Es existiert zwar nicht in der Realität – wohl aber in den Köpfen mancher Journalistinnen und Journalisten; insbesondere aber auch bei der Polizei.

Damals wandte sich der BLSJ an die heterosexuell veranlagten Kolleginnen und Kollegen und empfahl, die Wortwahl beim Schreiben kritisch zu reflektieren. Doch Journalistinnen und Journalisten aller Art lassen das Homosexuellen-Milieu immer wieder neu aufleben. Grund genug, an dieser Stelle sowohl neue als auch alte Fälle zu dokumentieren. Einen Anfang haben wir schon im Archiv gemacht. Schreiben Sie uns eine E-Mail, wenn Ihnen neue Kandidaten für diese Liste auffallen.

2019: Kripo Köln ermittelt im Homosexuellen-Milieu!

Am 3. Februar 2019 lies die Kölner Polizei über ihren Pressedienst verlauten: „Möglicherweise hat sich das Opfer im homosexuellen Milieu aufgehalten.“
Der Fall: Ein 79 Jahre alter Mann wurde in Köln tot in dessen Wohnung aufgefunden. Die Polizei bittet um Mithilfe und fragt, wer den Herrn in den vergangenen Tagen – insbesondere am Samstagabend – gesehen habe; ergänzt um den Satz: „Möglicherweise hat sich das Opfer im homosexuellen Milieu aufgehalten.“
BLSJ-Vorstand Axel Bach: „Wir wünschen der Polizei einen raschen Fahndungserfolg – sind aber der Meinung, dass eine konkrete Benennung der Umstände dabei mehr helfen könnte als der diskriminierende, verschwurbelte und falsche Begriff Homosexuellen-Milieu. Zudem sind wir gespannt, wie oft die Medien dieses Mal den unsinnigen und unsäglichen Begriff aus Polizeikreisen selbst verwenden werden.“
Update: Nach Kritik aus der Community will die Kölner Polizei zukünftig nicht mehr vom „Homosexuellenmilieu“ sprechen. (vgl. auch die Berichte in der Linkliste)

Der Polizeibericht aus dem Polizisten-Milieu

Die Westdeutsche Zeitung (WZ) machte aus der Polizeimeldung einen Artikel – und setzt das Homosexuellen-Milieu zumindest in Anführungszeichen…

Ebenso der Kölner Express, der allerdings reichlich dumm mit „Tat in der Schwulenszene?“ titelt.

Und auch report-K.

Beim Umarbeiten der Polizeimeldung für den Bonner Generalanzeiger blieb das „homosexuelle Milieu“ leider bestehen.
Nach unserem Hinweis hat der Autor den Text geändert.

Ebenso im Kölner Wochenspiegel.

Positiv: Radio Berg spricht von „Schwulen-Szene“.

Ähnlich – aber ein wenig wirr die Meldung bei Radio Köln: „Die Polizei hat am frühen Sonntagmorgen den 79-jährigen […] tot in seiner Wohnung in Deutz aufgefunden. Die Räume waren offensichtlich durchsucht worden. Deshalb geht die Kriminalpolizei von einem Raubmord aus und ermittelt in der Schwulenszene.“

queer.de berichtete erneut kritisch über die andauernde Verwendung des Begriffs Homosexuellen-Milieu

queer.de berichtet darüber, dass die Kölner Polizei den Begriff künftig nicht mehr nutzen werde.

Auch die taz greift das Thema auf: Polizei will „sensibler formulieren“

 

Was man sonst schreiben könnte

Hinweise für Journalistinnen und Journalisten, warum man das „Homosexuellen-Milieu“ besser nicht in Texten verwendet sollte, finden sich in unserer Broschüre „Schöner schreiben über Lesben und Schwule“

Umfrage

Queer.de fragt: „Was denkst du über den Begriff „Homosexuellen-Milieu“?“