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2005: Das Homosexuellen-Milieu lebt!

Nach dem tragischen Mord an Rudolf Moshammer war es plötzlich wieder da: Das längst vergessen geglaubte Homosexuellen-Milieu. Es existiert zwar nicht in der Realität – wohl aber in den Köpfen mancher Journalistinnen und Journalisten; insbesondere aber auch bei der Polizei.

Damals wandte sich der BLSJ an die heterosexuell veranlagten Kolleginnen und Kollegen und empfahl, die Wortwahl beim Schreiben kritisch zu reflektieren. Doch Journalistinnen und Journalisten aller Art lassen das Homosexuellen-Milieu immer wieder neu aufleben. Grund genug, an dieser Stelle sowohl neue als auch alte Fälle zu dokumentieren. Einen Anfang haben wir schon im Archiv gemacht. Schreiben Sie uns eine E-Mail, wenn Ihnen neue Kandidaten für diese Liste auffallen.

2017: Polizei Bochum ermittelt im Homosexuellen-Milieu!

Am 10. April 2017 lies die Bochumer Polizei über ihren Pressedienst verlauten: „Raubserie im Homosexuellen-Milieu aufgeklärt“. Der BLSJ freut sich über die Aufklärung der widerlichen Verbrechen – ist aber gleichzeitig entsetzt über die Verwendung des Begriffs „Homosexuellen-Milieu“. Nicht nur, dass dieser Begriff sprachlich völliger Unsinn ist. Darüber hinaus zementieren solche Phrasen unbewusst Klischees über Homosexuelle, die damit kollektiv verunglimpft werden. „Wir hoffen, dass zumindest Journalistinnen und Journalisten den Begriff aus den Polizei-Meldungen nicht übernehmen werden“, so BLSJ-Vorstand Axel Bach.

Focus-online hat die Polizei-Meldung ohne Änderung der Überschrift übernommen.

Beitrag zur Raubserie und der Polizeimeldung auf queer.de

 

2017: Mordkommission Krefeld: „Durch Kontakte zu diesem Milieu ergibt sich eine deutliche Gefahrenlage.“

Am 17. Dezember 2017 war es mal wieder soweit: Die Polizei warnt vor dem Milieu – und meint damit wohl das „Homosexuellen-Milieu“. Denn: Der Tote war – so zitiert die NRZ den Kriminalhauptkommissar – „43 Jahre verheiratet, sei aber, nachdem seine zum Schluss bettlägerige Frau verstorben wäre, seiner homosexuellen Neigung gefolgt, erklärte Gerd Hoppmann“. BLSJ-Vorstand Axel Bach: „Wir haben ja mittlerweile die Hoffnung fast aufgegeben, dass der unsinnige und unsägliche Begriff in Polizeikreisen nicht mehr verwendet wird. Aber dass Journalist_innen ihn weiterhin unreflektiert und unkommentiert verwenden, können wir nicht verstehen.“

Beitrag in der NRZ: „Kripo informiert über Ermittlungsstand im Eltener Mordfall“

„Schwule Gefahr“: Steven Milverton kommentiert in seinem Blog