Homosexuellen-Milieu

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Sie soll die Verwendung des Begriffs Homosexuellen-Milieu in der Presse dokumentieren.
Schreiben Sie uns eine E-Mail, wenn Ihnen neue Kandidaten für diese Liste auffallen.

Aktuelle Hinweise:

10.04.2017:
Polizei Bochum ermittelt im Homosexuellen-Milieu!
Am 10. April 2017 lies die Bochumer Polizei über ihren Pressedienst verlauten: “Raubserie im Homosexuellen-Milieu aufgeklärt”. Der BLSJ freut sich über die Aufklärung der widerlichen Verbrechen – ist aber gleichzeitig entsetzt über die Verwendung des Begriffs “Homosexuellen-Milieu”. Nicht nur, dass dieser Begriff sprachlich völliger Unsinn ist. Darüber hinaus zementieren solche Phrasen unbewusst Klischees über Homosexuelle, die damit kollektiv verunglimpft werden. “Wir hoffen, dass zumindest Journalistinnen und Journalisten den Begriff aus den Polizei-Meldungen nicht übernehmen werden”, so BLSJ-Vorstand Axel Bach.

Beitrag dazu auf queer.de

 

18.02.2010:
Selbst die sogenannte Qualitätspresse kann es nicht lassen. Die Süddeutsche Zeitung schrieb am 18. Februar in ihrem Sportteil: “Bisher aber vermieden es die Beteiligten auffallend, das homosexuelle Milieu, das in der Causa um den ehemaligen Schiedsrichter-Sprecher Manfred Amerell und die ihm angelasteten Verfehlungen klar zutage tritt, als solches zu benennen.”
Wie so oft, wenn Journalisten vom Homosexuellen-Milieu schreiben, ist in Wahrheit nur ein Hetero-Milieu zu finden: Was, wenn nicht die Welt des Männer-Fußballs – die Einschränkung auf den Herrenfußball muss allerdings gemacht werden – ist heterosexueller? Und auch von dem “Beschuldigten” Manfred Amerell ist bekannt, dass er mit einer Frau verheiratet ist und zwei Kinder hat. Selbstverständlich bleibt ihm unbenommen, sich auch gleichgeschlechtlich zu betätigen. Was aber bei SZ-Redakteur Thomas Kistner unterschwellig mitschwingt, ist eine Gleichsetzung der sexuellen Orientierung mit kriminellen Machenschaften in einem “Milieu”. Jedoch: Es gibt ebenso wenig ein Homosexuellen-Milieu, wie es auch kein Heterosexuellen-Milieu gibt.
Der BLSJ meint: “Mit diesem Text wird Thomas Kistner sicherlich keinen weiteren Journalisten-Preis erhalten.” Und an die Kollegen in München gerichtet: “Auch die Sport-Redaktion sollte sich bei ihrer Berichterstattung nicht länger von unreflektierten Vorurteilen leiten lassen. Dass gerade eine Zeitung von solcher Qualität derartig in die Klischee-Mottenkiste greift, ist unverständlich.”
Zum Beitrag geht’s hier lang: “Vorläufiges Ende einer bizarren Geschichte

24.09.2009:
Auch Presse-Agenturen fabulieren immer wieder vom Homosexuellen-Milieu. So titelt die dpa am 24. September 2009 um 13.35 Uhr: “Haftstrafe für Gewalttat im Homosexuellen-Milieu”. Im weiteren Verlauf des Textes heißt es dann: “…auf offener Straße mit einem Messer attackiert und dann bei einem zweiten Angriff niedergestochen und beinahe getötet.”

Der BLSJ schrieb dazu:
“Liebe dpa, mal wieder soll sich … eine “Gewalttat im Homosexuellen-Milieu” abgespielt haben. Aus der Meldung geht aber nur hervor, dass ein Mann seinen Partner irgendwo auf offener Straße erstochen haben soll. Wir halten es daher für unangebracht, in diesem Zusammenhang von “Homosexuellen-Milieu” zu reden, weil diese Wortwahl falsche Assoziationen nahelegt – so, als wären Homosexuelle wie Kriminelle oder Drogenhändler in einer Art Rotlichtviertel organisiert.
Würden Sie analog auch von “Gewalttat im Lehrermilieu” oder “Gewalttat im Bayernmilieu” schreiben? Wohl kaum. …”

28.07.2009:
Die B.Z. aus Berlin fragt: “Wurden ihm diese Fotos zum Verhängnis?” – und schreibt ungelenk: “Sebastian N. (gest. 23) wollte als Model Karriere machen. Er soll sich im Homosexuellen-Milieu bewegt haben und bedroht worden sein.”
Den kompletten Beitrag kann man hier lesen: Wurden ihm diese Fotos zum Verhängnis?

13.07.2009:
Auch der Stern ist vor dümmlichen Sätzen nicht gefeit:
“Die Beweise gegen den 55-Jährigen sind jedoch nach Ansicht der Kammer erdrückend: Seine DNA und Fragmente von Fingerabdrücken waren in der Wohnung des aus Leimen stammenden Opfers – ein Mann aus dem Homosexuellenmilieu – sichergestellt worden.”
Den kompletten Beitrag kann man hier lesen: Gericht verurteilt Mörder 29 Jahre nach der Tat

02.07.2009:
Durch den Blog von Steven Milverton sind wir hierauf aufmerksam geworden:
Die Mainpost schreibt in ihrem Artikel “Statt dem Lover kam die Kripo: Schwuler verurteilt” vom 02.07.2009: “Die Sache, die ein 21-jähriger Mann über sich hat ergehen lassen, geschah im Homosexuellen-Milieu und war gespickt mit krimineller Energie.”

Der BLSJ meint dazu:
In diesem Beitrag wird nicht nur der unsinnige Begriff Homosexuellen-Milieu verwendet; besonders auffällig und journalistisch fragwürdig ist die Überschrift “Schwuler verurteilt”. Vor Gericht werden Schuldige verurteilt (beispielsweise Mörder). Aber die sexuelle Orientierung sollte dabei keine Rolle spielen. Wir warten weiterhin auf Schlagzeilen wie “Mord im Hetero-Milieu”, “Heterosexueller Vater gestandt Bluttat” und Ähnliches.

16.01.2005:
Die Berichterstattung vieler Nachrichtenagenturen und Zeitungen über den tragischen Tod Rudolph Moshammers ist geprägt von Klischees und unreflektierten Vorurteilen, findet der Bund Lesbischer und Schwuler JournalistInnen (BLSJ). Vom “Mord im Homosexuellen-Milieu” ist die Rede und BILD titelt ungelenk: “Stieg im Homo-Milieu der Killer in sein Auto?”.

“Gerade Journalistinnen und Journalisten sollten bei ihrer Berichterstattung immer an die Wirkung ihrer Texte denken”, appelliert Martin Rosenberg an die Kolleginnen und Kollegen der Medien: So ist verschiedentlich von polizeilichen Ermittlungen im “Homosexuellen-Milieu” die Rede, obwohl es so etwas ebenso wenig gibt wie ein “Heterosexuellen-Milieu”.

Die Behauptung, dass im Homosexuellen-Milieu ermittelt würde, ist zumindest sprachlich völliger Unsinn. Darüber hinaus zementieren solche Phrasen unbewusst Klischees über Homosexuelle, die damit kollektiv verunglimpft werden. “Schließlich gibt es weitaus mehr heterosexuell Veranlagte, die die Dienste von Prostituierten in Anspruch nehmen als Schwule”, stellt der Wissenschaftsjournalist Axel Bach fest und appelliert an die Kolleginnen und Kollegen, vor dem Schreiben ihre Wortwahl kritisch zu reflektieren.