Medienpreis

Felix-Rexhausen-Preis 2015 für Radio-Feature über sexuelle Vielfalt in der Schule

Charlotte Funke und Anne Bohlmann gewinnen Rexhausen-Preis in Köln

Gruppenbild der Preisträgerinnen und Preisträger (von links): Tobias und Falk Steinborn (QueerblickTV), Wolfgang Kerler (BR), Anne Bohlmann (rbb), Barbara Kostolnik (BR), Moderator Thomas Hackenberg, Oliver Bätz (Arte), Arnd Riekmann (Jury) und André Schäfer (Arte); Foto: Axel Bach

Gruppenbild der Preisträgerinnen und Preisträger (von links): Tobias und Falk Steinborn (QueerblickTV), Wolfgang Kerler (BR), Anne Bohlmann (rbb), Barbara Kostolnik (BR), Moderator Thomas Hackenberg, Oliver Bätz (Arte), Arnd Riekmann (Jury) und André Schäfer (Arte); Foto: Axel Bach

Die aktuelle Pressemitteilung mit der Bekanntgabe der Gewinner_innen sowie die Begründungen der Jury

Pressefoto in Druckauflösung (Nutzung mit Urheberangabe kostenfrei)

Die Laudationes – ausführliche Begründungen der Jury

Ein Thema sorgte im vergangenen Jahr für hitzige Diskussionen: sexuelle Vielfalt in der Schule. Ein neuer Bildungsplan für Baden-Württemberg hatte Anfang 2014 die Debatte darüber losgetreten, ob das Thema in den Unterricht gehört.
Die RBB-Reporterinnen Charlotte Funke und Anne Bohlmann nehmen die Debatte zum Anlass, um einen Blick auf die Realität in Berlin und Brandenburg zu werfen: Wie steht es hier um die sexuelle Vielfalt im Schul-Alltag? Für dieses Radio-Feature sind die Autorinnen am Samstag (4. Juli 2015) vom Bund Lesbischer und Schwuler JournalistInnen (BLSJ) mit dem Felix-Rexhausen-Preis 2015 ausgezeichnet worden.

Das “Kulturradio im rrb” gab bekannt, dass das preisgekrönte Radio-Feature am 8. August um 17.04 Uhr wiederholt wird. Das Stück steht danach sieben Tage zum Nachhören online:
kulturradio.de/programm/sendungen/150808/zeitpunkte_reportage_1704.html

 

Jury des Felix-Rexhausen-Preises 2015: von links: Dr. Jürgen Bräunlein, H. Marie Breer, Arnd Riekmann, Andrea Lueg, Dr. Lars Rinsdorf, Dr. Petra Werner, (nicht im Bild: Dr. Carmen Kaminsky); Foto: Axel Bach

Jury des Felix-Rexhausen-Preises 2015; Foto: Axel Bach

“In diesem Jahr hatten es drei Beiträge zu höchst politischen Themen in die Endrunde geschafft“, freut sich Arnd Riekmann von der Jury des Rexhausen-Preises. Nominiert waren:

Thomas Hackenberg

Moderator Thomas Hackenberg

Die Preisverleihung auf dem Kölner CSD wurde von Thomas Hackenberg moderiert.

Sonderpreis für YouTube-Porträt-Serie

Mit einem Sonderpreis zeichnet die Jury Fabian Witala, Vincent Beringhoff, Christopher Grigat und Falk Steinborn für ihr YouTube-Projekt “Queer durch Deutschland – Wie junge Lesben, Schwule, Bisexuelle und Trans*-Personen heute aufwachsen” aus. (YouTube-Kanal “queerblickTV”: Oktober 2014)

Kurzbegründungen der Jury zu den nominierten Beiträgen

  • André Schäfer, Oliver Bätz:
    Fünf Tage in New York – Gay Pride am Hudson
    (Arte: 06.07.2014)
    André Schäfer und Oliver Bätz nehmen uns mit ins Greenwich Village auf den Gay Pride 2014 in New York. Fünf Tage begleiten sie Organisatoren, Aktivisten, Besucher sowie Veteranen und Zeitzeugen der Stonewall Riots. Die aktuellen Bilder zeigen, wie sich die Gay Community New Yorks seit 1969 verändert hat – von der Subkultur hinein in den Mainstream. Aber auch wie sich das Village verwandelt: von der einstigen Homo-Hochburg zum hippen In-Viertel für hochbezahlte Google-Mitarbeiter. Interessante Interviewpartner, tolle Aufnahmen und die spannende Gegenüberstellung der Ereignisse im Village damals und heute machen “Fünf Tage in New York – Gay Pride am Hudson” zu einem ganz besonderen Stück Fernsehen.
  • Charlotte Funke und Anne Bohlmann:
    “Die Hausaufgabe ist schwul!” – Sexuelle Vielfalt in der Schule
    (Zeitpunkte – Die Reportage, Kulturradio RBB – Rundfunk Berlin-Brandenburg: 18.10.2014)
    Charlotte Funke und Anne Bohlmann greifen ein Thema auf, das für hitzige Diskussionen sorgt: sexuelle Vielfalt in der Schule. Auslöser der Debatte: der neue Bildungsplan in Baden-Württemberg. In Berlin wird das Thema bereits seit zehn Jahren verbindlich im Unterricht behandelt.
    Die Autorinnen werfen in ihrem rundum gelungenen Radio-Feature den Blick auf die Realität in Berlin und Brandenburg: Wie steht es um die sexuelle Vielfalt im Schul-Alltag?
    Charlotte Funke und Anne Bohlmann haben eine Stunde Radio geschaffen, wie man sie nicht mehr oft zu hören bekommt: politisch relevant, sauber recherchiert und handwerklich exzellent umgesetzt.
  • Wolfgang Kerler:
    Verboten schwul – Der Paragraf 175 und die Verfolgung von Homosexuellen in der BRD
    (Radio BR 2 – Radio Thema: 20.11.2014)
    Wer gegen den Paragrafen 175 verstieß, konnte im Dritten Reich ins KZ kommen – dennoch blieb auch in der Bundesrepublik der Anti-Schwulen-Paragraf Teil des Strafgesetzbuchs – bis er 1969 entschärft und schließlich 1994 ersatzlos gestrichen wurde. Mehr als 50.000 Männer landeten deshalb auch nach dem Krieg im Knast. Bis heute warten sie vergeblich auf Rehabilitation. BR-Autor Wolfgang Kerler beleuchtet diesen empörenden, menschenverachtenden und skandalösen Tatbestand. Sein Feature ist gründlich recherchiert, facettenreich und akustisch pointiert inszeniert. Und nicht zuletzt ist “Verboten schwul” ein eindringliches Plädoyer an die Politik, endlich alle nach Paragraf 175 gefällten Urteile aufzuheben.

Kurzbegründung der Jury zum Sonderpreis

Fabian Witala, Vincent Beringhoff, Christopher Grigat, Falk Steinborn:
Queer durch Deutschland – Wie junge Lesben, Schwule, Bisexuelle und Trans*-Personen heute aufwachsen
(YouTube-Kanal “queerblickTV”: Oktober 2014)

Wie queer ist die junge Generation in unserem Land? Dieser Frage sind Fabian Witala, Vince Beringhoff, Christopher Grigat und Falk Steinborn vom Dortmunder Verein queerblick e.V. nachgegangen. Ihre Youtube-Videoporträt-Serie “Queer durch Deutschland” zeigt die Vielfalt in allen 16 Bundesländern. Ob christliche Transfrau oder schwuler Bundeswehrsoldat, die Protagonisten sprechen ganz offen und unaufgeregt über ihre sexuelle oder geschlechtliche Identität als selbstverständlichen Teil ihrer Persönlichkeit und ihres Lebens. “Queer durch Deutschland” macht anderen jungen Leuten Mut, so zu leben, wie sie sind – und das ist der Jury einen Sonderpreis wert.

Felix Rexhausen

Felix Rexhausen, der Namenspatron des Preises, wurde 1932 in Köln geboren und starb vor 20 Jahren in Hamburg. Zusammen mit Carola Stern und Gerd Ruge war er Mitbegründer der deutschen Sektion von Amnesty international und arbeitete für den Rundfunk sowie für Zeitungen und Zeitschriften. Schon zu Zeiten, als noch der alte Paragraf 175 galt, trat Rexhausen selbstbewusst als schwuler Journalist auf, indem er die Lebensumstände homosexueller Männer eindringlich, aber auch ironisch und selbstkritisch thematisierte.
Mit dem mit insgesamt 1000 Euro dotierten Preis erinnert der BLSJ an Felix Rexhausen.